Dass die Bio-Lebensmittelkette in Deutschland stark wächst, ist auch dem fördernden deutschen Regierungspolitik zu verdanken. Der Marktwert der biologischen Lebensmittel liegt in Deutschland bei fast 16 Milliarden Euro. Damit steht Deutschland an der Spitze der EU-27.
Niederländische Exporteure von Bioprodukten können davon profitieren, sagen Landwirtschaftsrat Peter Vermeij und Landwirtschaftsberaterin Anna Sandl.
In einem Interview mit Agroberichtenbuitenland bezeichnen sie das Wachstum des Biobereichs als eine der auffälligsten Entwicklungen. Fast 11 % (1,6 Millionen Hektar) der deutschen Anbaufläche wird inzwischen biologisch bewirtschaftet. Die neue deutsche Regierung (SPD, Die Grünen und FDP) setzt voll darauf. Ziel ist es, 30 % der landwirtschaftlichen Fläche bis 2030 biologisch zu bewirtschaften.
„Dieses Ziel geht also deutlich über die 25 % aus dem Green Deal und der Farm-to-Fork-Strategie der Europäischen Kommission hinaus und wird in der deutschen Politik breit getragen. Der Wachstumswunsch resultiert aus Sorgen um das Klima, die Umwelt, die Biodiversität und das Konsummuster. Der politische Druck, den Bio-Sektor wachsen zu lassen, ist also groß“, so Vermeij.
Die niederländischen Landwirtschaftsberater in Berlin und München fragen sich jedoch, ob das Ziel von 30 % realisierbar ist. Sandl: „Deutschland ist ein weniger wohlhabendes Land, als viele denken. Auch hier gibt es Armut. Biologische Produkte sind relativ teuer, nicht jeder kann sie sich leisten. Das gewünschte Wachstum ist wahrscheinlich nur umsetzbar, wenn der Preisunterschied zwischen konventionellen und biologischen Produkten geringer wird.“
Das große Interesse der deutschen Verbraucher an Bio-Lebensmitteln sei vor allem eine Frage der Mentalität, sagt Landwirtschaftsrat Peter Vermeij. „Etwa 70 % der Deutschen leben auf dem Land und haben Respekt vor dem traditionellen bäuerlichen Leben. Das spiegelt sich wiederum in den Regalen der Supermärkte wider.“
Viele deutsche Landwirte erwägen den Umstieg auf biologische Produktion. Ein Fünftel hat Interesse, so eine Untersuchung des Deutschen Bauernverbands. In Süddeutschland steht mehr als ein Viertel der landwirtschaftlichen Betriebe diesem Wandel offen gegenüber.
„Dieses enorme Interesse im Süden ist nicht verwunderlich“, sagt Sandl. „Aufgrund der bergigen Landschaft können die Betriebe schwer intensivieren. Der Umstieg auf biologisch ist für die Landwirte im Süden daher nicht groß.“
Vermeij stellt einen Unterschied zwischen der Strategie der niederländischen und der deutschen Regierung fest. Niederlande setze seiner Ansicht nach auf nachhaltigere Agrarbetriebe und Kreislaufwirtschaft. In den Niederlanden gebe es wenig explizite Politik für die biologische Landwirtschaft, in Deutschland hingegen schon.

