Innerhalb von zwanzig Jahren hat sich der Einsatz chemischer Mittel in der Landwirtschaft weltweit fast verdoppelt. Das geht aus dem neuen Pesticide Atlas 2022 der deutschen Heinrich-Böll-Stiftung hervor.
In den EU-LĂ€ndern haben neue Gesetze bisher nicht zu einer Verringerung des Einsatzes gefĂŒhrt, trotz wissenschaftlicher Belege, sagte Imme Scholz, Vorsitzende der Heinrich-Böll-Stiftung. Sie bezeichnete jedoch die âVom-Bauern-zum-Tischâ-Strategie als einen guten Anfang.
Die EU-Mitgliedstaaten beraten derzeit ĂŒber neue Regeln fĂŒr den Einsatz von Pestiziden. Im Juni hat die EuropĂ€ische Kommission VorschlĂ€ge fĂŒr die Wiederherstellung der Natur, die BiodiversitĂ€t und eine Halbierung des Pestizideinsatzes innerhalb von acht Jahren vorgelegt.
Im EuropĂ€ischen Parlament hat die gröĂte christdemokratische EVP-Fraktion kĂŒrzlich angekĂŒndigt, dass sie diese PlĂ€ne annullieren oder verschieben möchte. Durch den russischen Krieg in Ukraine sei laut ihrer Ansicht weltweit eine neue ErnĂ€hrungssituation entstanden. Bereits Anfang des Jahres konnte die EVP mit UnterstĂŒtzung konservativer, nationalistischer und rechtsextremer Fraktionen zwei Bestandteile der Gemeinsamen Agrarpolitik um zwei Jahre verschieben.
Der Pesticide Atlas stellt fest, dass der Einsatz von Pestiziden weltweit zu einer Zunahme von Vergiftungen fĂŒhrt, besonders in LĂ€ndern, in denen Bauern hĂ€ufig nicht ausreichend geschĂŒtzt sind. Der Einsatz wirkt sich zudem schĂ€dlich auf die BiodiversitĂ€t aus, so wird argumentiert. Konventionelle Landwirtschaft weist eine fĂŒnfmal geringere BiodiversitĂ€t im Vergleich zu biologisch bewirtschafteten Feldern auf.
Und die Pflanzenschutzmittel beschrÀnken sich nicht auf die behandelten AgrarflÀchen: Sie sickern in den Boden und das Grundwasser, verwehen oder gelangen in GewÀsser.
Bis zum nĂ€chsten Jahr wird der Gesamtwert aller verwendeten Pestizide fast 130,7 Milliarden Dollar betragen. Die EuropĂ€ische Union ist einer der gröĂten MĂ€rkte der Welt und macht fast ein Viertel aller verkauften Pestizide aus.

