Ausländische Militärschiffe müssen ihre Durchfahrt durch den engen Finnischen Meerbusen mindestens 48 Stunden im Voraus melden. Dies ist der einzige Zugang zum russischen Hafen Sankt Petersburg. Estland hat den russischen Geschäftsträger einbestellt und einen förmlichen Protest übergeben.
Außenminister Margus Tsahkna bezeichnete den Verstoß als schwerwiegend und inakzeptabel. Bereits Anfang des Jahres hatte es Spannungen gegeben, als Estland versuchte, einen russischen Öltanker abzufangen. Russland reagierte damals mit dem Einsatz eines Kampfflugzeugs, das den estnischen Luftraum verletzte.
In der Ostsee und anderen skandinavischen Gewässern hat es in den vergangenen Monaten mehrere maritime Zwischenfälle gegeben. Dies begann im Oktober 2023. Die Gaspipeline zwischen Finnland und Estland verlor damals plötzlich Druck. Ein unter chinesischer Flagge fahrendes Schiff mit russischen Verbindungen zog seinen Anker über Kilometer über den Meeresboden und beschädigte die Leitung.
Ein Jahr später ereignete sich Ähnliches erneut. Im Oktober 2024 riss ein weiteres Schiff unter chinesischer Flagge mit derselben Schleppmethode zwei weitere Unterseekabel. Europäische Geheimdienste vermuteten, dass die Besatzung von russischen Diensten bestochen wurde. Dieses Mal wurde das Schiff von Estland aufgehalten.
Die Eskalation erreichte ihren Höhepunkt am ersten Weihnachtstag 2024. Die Eagle S, ein Tanker aus der russischen "Schattenflotte", riss auf einmal fünf separate Unterseekabel. Finnische Spezialeinheiten enterten die Eagle S in internationalen Gewässern und zwangen das Schiff in einen finnischen Hafen. Zum ersten Mal wurde eine Besatzung festgenommen.
Kriegsschiffe und Patrouillenflugzeuge der NATO begannen daraufhin, die Ostsee permanent zu überwachen. Die Kabelvorfälle hörten sofort auf.
Obwohl sich die Konfrontationen zwischen Schiffen inzwischen etwas beruhigt haben, ist eine neue Bedrohung aufgetaucht: Spionagedrohnen. Dutzende Vorfälle mit anonymen Drohnen, die über kritische (militärische) Infrastruktur wie Chemiefabriken und militärische Standorte fliegen, bestehen weiterhin.
Westliche Geheimdienste vermuten, dass diese Drohnen von russischen Schiffen in der Ostsee gestartet werden. Dieser hybride Krieg wird nicht auf einem traditionellen Schlachtfeld geführt, sondern im Graubereich des Völkerrechts, mit Handelsschiffen als Waffen und plausibler Leugnung als Verteidigung.

