Die finanzielle Unterstützung für diese fünf EU-Länder soll als Ausgleich für die Belastung ihres Agrarsektors durch den zollfreien Import ukrainischer Getreide dienen. In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass EU-Präsidentin Ursula von der Leyen sich gegen eine Auszahlung stellt, während Landwirtschaftskommissar Janusz Wojciechowski daran festhält. Wojciechowski hat sowohl in seinem Heimatland Polen als auch während einer informellen EU-Ministerratssitzung in Oslo darauf gedrängt.
Von der Leyen möchte zunächst untersuchen, ob Polen die Vereinbarungen in Bezug auf die Unterstützung von 100 Millionen Euro für den Agrarsektor in den betroffenen Ländern einhält. Die fünf Länder sollten ihre Grenzblockaden einstellen, falls die EU selbst ein „offizielles“ temporäres Ausfuhrverbot für ukrainisches Getreide erlässt. Die EU hat dies getan, dennoch setzen verärgerte polnische Landwirte ihre Grenzblockaden fort.
Die finanzielle Unterstützung ist zu einem wichtigen Thema im Wahlkampf für die polnischen Parlamentswahlen geworden, die später in diesem Jahr stattfinden. Die regierende PiS-Partei, deren Mitglied EU-Kommissar Wojciechowski ist, versucht, die verlorene Wählerunterstützung auf dem polnischen Land zurückzugewinnen. Die Auszahlung der Unterstützung aus dem EU-Agrar-Notfallfonds könnte dabei eine entscheidende Rolle spielen.
Mehrere EU-Länder, darunter auch Niederlande, haben die Europäische Kommission aufgefordert, mehr Klarheit über die Vereinbarungen mit den fünf Ländern zu schaffen. Sie verlangen weitere Erläuterungen und Garantien, dass die Grenzblockaden im Gegenzug zur Unterstützung eingestellt werden. Kommissar Wojciechowski versuchte die EU-Länder zu beruhigen, indem er erklärte, dass der verbleibende Betrag an die übrigen 22 EU-Länder ausgezahlt werde.
Diese Angelegenheit hat nicht nur nationale und regionale Auswirkungen, sondern auch weiterreichende Implikationen innerhalb der Europäischen Union. Wojciechowski sah sich vergangene Woche sogar gezwungen, in einer offiziellen EU-Presseerklärung polnische Presseberichte zu dementieren, wonach er von der Leyen irgendwo etwas „vorgeworfen“ hätte.
Die Europäische Kommission hat bislang keine offizielle Stellungnahme zu der möglichen Entscheidung abgegeben, die am Montag getroffen werden könnte. Es wird erwartet, dass vor einer endgültigen Entscheidung weitere Diskussionen und Verhandlungen stattfinden, möglicherweise auch in Erwartung des EU-Agrarrats Ende dieses Monats in Brüssel.

