Bulgarien, Rumänien, Polen, die Slowakei und Ungarn befürchten, dass der ukrainische Agrarexport zu internationalen Märkten erneut hauptsächlich über ihr Hoheitsgebiet abgewickelt werden muss. Sie befürchten, dass diese Situation zu einem Überangebot an Agrarprodukten auf ihren Märkten führt, was den Wettbewerb stören könnte.
Das (vorübergehende) Importverbot für ukrainisches Getreide betrifft nicht nur den direkten Handel zwischen Ukraine und den europäischen Märkten, sondern auch weiter entfernte Absatzmärkte. Um die Situation zu entschärfen und die Abhängigkeit von der Schwarzmeer-Route zu verringern, wird derzeit daran gearbeitet, die Donau-Schifffahrtsroute zum rumänischen Schwarzmeerhafen Constanța zugänglicher zu machen. Dieser Hafen kann eine alternative Route für den ukrainischen Getreideexport bieten.
Das Projekt zur Verbesserung der Donau-Schifffahrtsroute ist eine Zusammenarbeit zwischen Rumänien und weiteren europäischen Partnern. Ziel ist es, den Wasserweg zu vertiefen und zu verbreitern, um größere Schiffe mit einer höheren Ladekapazität empfangen zu können. Damit kann die Kapazität des Hafens erheblich gesteigert und der Transport von Agrarprodukten effizienter gestaltet werden. Die Europäische Kommission hat ihre Unterstützung für diese Initiative zugesagt und Mittel bereitgestellt, um die Verbesserungen zu finanzieren und zu beschleunigen.
Die fünf mittelosteuropäischen Länder betonen jedoch die Bedeutung des Projekts und drängen auf beschleunigte Maßnahmen, um die Donau-Schifffahrtsroute rechtzeitig fertigzustellen. Sie sind entschlossen, die Folgen des Importverbots zu begrenzen und ihre Märkte vor einer möglichen Überfülle an Agrarprodukten aus der Ukraine zu schützen. Zudem sehen sie die Verbesserung der Donau-Schifffahrtsroute als strategische Investition, die die Handelsinfrastruktur der gesamten Region stärken und die Abhängigkeit von einer einzigen Transportroute verringern wird.
Nun liegt es an der Europäischen Kommission, über den Antrag der fünf mittelosteuropäischen Länder zur Verlängerung des vorübergehenden Importverbots für ukrainisches Getreide zu entscheiden. Dies könnte möglicherweise Ende dieses Monats bei der regulären Sitzung der 27 Landwirtschaftsminister erfolgen. Zuvor hatten einige EU-Länder bereits signalisiert, dass sie eine Behinderung des ukrainischen internationalen Handels zu pro-moskau und anti-kyjiw halten.

