Mehrere Supermarktketten in südeuropäischen Ländern haben begonnen, die Menge an Sonnenblumenöl pro Verbraucher zu begrenzen, aus Angst vor Engpässen. Es dürfen nur noch fünf Liter pro Kunde verkauft werden. Aufgrund des russischen Krieges in Ukraine wird befürchtet, dass Hamsterkäufe Lebensmittelknappheiten verursachen könnten.
Zusammen bilden die Ukraine und Russland den größten Teil des weltweiten Exportes von Sonnenblumenöl, wobei die Ukraine 35 bis 40 Prozent des in der EU raffinierten Sonnenblumenöls liefert.
In Italien haben einige nationale Einzelhändler wie Coop, Eurospin, Famila und Mega Berichten zufolge begonnen, in den Regionen Ligurien, Toskana und Venetien Saatöl zu rationieren. In Supermärkten in Treviso und Belluno dürfen Kunden nur noch zwei Flaschen kaufen, da es laut lokaler Medienberichte zu Hamsterkäufen kam.
In einigen Supermärkten in der Toskana dürfen Kunden nur fünf 1-Liter-Flaschen Sonnenblumenöl und zwei 1-Liter-Flaschen Maiskeimöl kaufen.
Lebensmittel- und Landwirtschaftsexperten warnten am vergangenen Mittwoch hinter verschlossenen Türen die Europäische Kommission vor übermäßigen Reaktionen auf die Ernährungslage. Gerade individuelle Aktionen von ein oder zwei EU-Ländern oder einzelnen Supermärkten könnten den Eindruck erwecken, „dass etwas nicht stimmt“ und zu Hamsterkäufen und Panikeinkäufen führen.
Die Expertengruppe arbeitet derzeit an der Erstellung eines „Agraraktionsplans“, der in anderthalb Wochen auf der Agenda des EU-Agrarrats steht.
Nach Angaben europäischer Hersteller reicht der verfügbare Vorrat an Roh-Sonnenblumenöl in der EU noch für vier bis sechs Wochen, danach werden die ersten Engpässe erwartet. Alternativen zum Sonnenblumenöl wie Raps-, Kokos-, Palm- und Sojaöl sind zwar verfügbar, aber auch deren Produktion steht vor hohen Kosten für Treibstoff und Energie.
Die spanische Ölindustrie sieht derzeit keinen Grund zur unmittelbaren Sorge. Die Organisation räumte jedoch ein, dass bei anhaltendem Konflikt nach einer anderen Lösung gesucht werden müsse. Dazu wird unter anderem die Nutzung brachliegender Flächen in Betracht gezogen.
Dieser Aufruf fand bereits Gehör beim französischen Vorsitz der EU-Ratspräsidentschaft und anderen Agrarministern der EU-27, die 10 % der landwirtschaftlichen Flächen, die für Landschaften mit hoher Biodiversität vorgesehen sind, für die Produktion eiweißhaltiger Kulturen reservieren wollen.
Diese Option wird derzeit von der Europäischen Kommission als Teil eines Maßnahmenpakets zur Entspannung der Lage im europäischen Agrar- und Ernährungssektor geprüft und wird nun bei der kommenden Sitzung des Sonderausschusses Landwirtschaft (SCA) am kommenden Montag (14. März) besprochen.

