Der parlamentarische Untersuchungsausschuss des Europäischen Parlaments zum Viehtransport hat ein vernichtendes Urteil über die Art und Weise gefällt, wie in EU-Ländern Tiere transportiert werden. Zudem kritisiert der ANIT-Ausschuss die jahrelange mangelhafte Kontrolle solcher Viehtransporte durch die EU-Staaten.
In vielen Fällen erhielten die Tiere zu wenig Futter und Wasser, wurden extremen Temperaturen ausgesetzt und teilweise in überfüllten Laderäumen untergebracht.
Der parlamentarische Untersuchungsausschuss befragte Dutzende europäische Institutionen und Amtsträger sowie nationale Behörden, Tierschutzorganisationen, Tierärzte, Transportunternehmen und Landwirte. Zudem wurden Orte besucht, an denen Tiere exportiert werden.
Der Untersuchungsausschuss stellt fest, dass Tiere insbesondere bei Transporten in Länder außerhalb der EU in missliche Lagen geraten. „Die EU erfüllt ihre Pflicht nicht, sicherzustellen, dass es den Tieren während des gesamten Transports vom Abgangsort bis zum Zielort gut geht“, zieht der Ausschuss sein Fazit.
Transporte per Schiff sind problematisch: „Die Mehrheit der 80 Schiffe, die eine europäische Lizenz für den Tiertransport besitzen, ist sehr alt und stellt ein Risiko für das Wohlbefinden sowohl der Menschen als auch der Tiere an Bord dar“, heißt es im Untersuchungsbericht.
„Diese Untersuchung bestätigt, dass Vorschriften systematisch verletzt werden. Tiere werden über weite Strecken quer durch Europa – und weit über die europäischen Grenzen hinaus – transportiert. Ihr Wohlbefinden ist dabei ernsthaft gefährdet. Die falsche Annahme, es handle sich nur um Unfälle und Einzelfälle, ist endgültig widerlegt“, sagt die niederländische Europaabgeordnete Anja Hazekamp (PvdD). Sie ist eine der Mitverfasserinnen des Berichts.
Neben den Erkenntnissen ihrer Untersuchung stimmte der ANIT-Untersuchungsausschuss am Donnerstag auch über eine Reihe von Empfehlungen ab, um das Tierleid bei Transporten zu verringern. Tiere, die jünger als fünf Wochen sind, wie Kälber und Zicklein, dürfen nicht mehr transportiert werden. Alte Tiere sollen laut Ausschuss nicht mehr auf lange Transporte geschickt werden.
Um zu verhindern, dass Tiere extremen Temperaturen ausgesetzt werden, empfiehlt der Ausschuss, die zulässige Höchsttemperatur von 35 auf 30 Grad zu senken. Außerdem soll eine Rote Liste von Transportunternehmen erstellt werden, die häufig gegen die Vorschriften verstoßen. Von diesen „schwarzen Schafen“ soll die Lizenz entzogen werden.
Die Empfehlungen des Untersuchungsausschusses werden im Januar in der Plenarsitzung des Europäischen Parlaments endgültig beschlossen. Die Europäische Kommission bereitet derzeit eine Anpassung der EU-Gesetzgebung zum Schutz von Tieren während des Transports vor.
Ein entsprechender Vorschlag wird die Europäische Kommission im Jahr 2023 vorlegen. Die Empfehlungen des Untersuchungsausschusses fließen in die Gesetzesänderung ein. Außerdem läuft derzeit eine öffentliche Konsultation, in der Unternehmen und Bürger ihre Meinung zu den europäischen Tierschutzvorschriften äußern können.

