Landwirtschaftliche Gebiete im Südosten des Landes bezogen nahezu ihr gesamtes Bewässerungswasser aus dem nun entleerten Stausee. Dieses ganze Bewässerungssystem ist verschwunden. Es kann erst wiederhergestellt werden, wenn ein neuer Staudamm gebaut werden kann. Dies kann noch Jahre dauern. Außerdem ist die Industrieregion rund um die Stadt Cherson durch die Überschwemmungen teilweise unzugänglich, und es gibt erhebliche Schäden an den Industrien.
Im Europäischen Parlament wurde die Sprengung des Damms scharf verurteilt. Der sozialdemokratische Europaabgeordnete Thijs Reuten nannte es „ein russisches Kriegsverbrechen auf Kriegsverbrechen auf Kriegsverbrechen“. Andere bezeichnen die russische Aggression als neue Bedrohung für die Ernährungssicherheit.
Der ukrainische Agrarexport wird nicht nur durch die russische Blockade des Schwarzen Meeres bedroht, es ist auch zu befürchten, dass viele ukrainische Ernten in den kommenden Jahren stark ausfallen werden.
Außerdem sieht es so aus, als seien viele Ackerflächen „vergiftet“ durch mitgerissene Chemikalien, Abfallreste und andere Materialien. Über mehrere hundert Kilometer wurden entlang der Flussufer ganze Dörfer, Fabriken, Munitionslager und andere Materialien in die Wassermassen gespült, in südlicher Richtung zum Schwarzen Meer.
Diese neue „Katastrophe für eine ganze Generation“ war in der diese Woche im Europäischen Parlament eingereichten Resolution zur langfristigen Ernährungssicherheit noch nicht enthalten, da der Text bereits zuvor vom Agrarausschuss beschlossen worden war.
Die Resolution war eine Reaktion auf einen früheren Bericht der Europäischen Kommission (Dezember 2022), in dem die (damals bekannten) Folgen des russischen Kriegs gegen die Ukraine und die Störung von Getreide- und Lebensmittelexporten untersucht wurden.
Die EU-Kommissare kamen damals zu dem Schluss, dass es in Europa keine Nahrungsmittelknappheit gebe und dass kurzfristig nur vereinzelte Transport- und Exportprobleme bestünden. Die Agrarpolitiker waren mit einer derart beruhigenden Einschätzung der Europäischen Kommission nicht einverstanden. Auf deren Drängen wurden in der neuen mehrjährigen EU-Agrarpolitik (GAP) bereits zwei temporäre Ausweitungen zur Lebensmittelproduktion aufgenommen.
Die Resolution des Agrarlobbyismus wiederholt weitgehend bekannte Standpunkte zur Bedeutung der europäischen Landwirtschaft. Konkret wird erneut für tiefgreifendere Untersuchungen aller möglichen Folgen der Green Deal-Politik für die Einkommen der Bauern plädiert. Außerdem wird erneut um mehr Einschränkungen bei der Konkurrenz durch Importe aus Nicht-EU-Ländern gebeten.

